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Die Kunst der Nichtverurteilung

Zum mentalen Training gehört es auch, sich Gedanken darüber zu machen, wie man sein Spiel nach einer Golfrunde realistisch selbst beurteilt.

Die meisten Spieler, ich kenne eigentlich keinen, bewerten ihr eigenes Spiel als gut und sind zufrieden mit ihrem Schwung oder der Anzahl der Schläge, die sie für eine Runde benötigt haben. Irgendwo gibt es immer etwas zu kritisieren.

Natürlich kann ein Golfspieler darüber nachdenken, wie er sein Spiel besser hätte gestalten können, doch sollte dies nicht negativ geschehen und in einer kritischen Abwärtsspirale enden. Viel mehr wäre hervorzuheben, wieviele gute Schläge er hatte, wieviele 3 Meter, 5 Meter oder gar 10 Meter Putts er geschafft hat, statt sich selbst dafür „niederzumachen“, dass aus 1 Meter Entfernung ein Ball daneben gegangen ist.

Es gibt im Mentaltraining für Golfer aber auch in jeder anderen Sportart, die Kunst des sich nicht Selbstverurteilens und die Einstellung mit einer gewissen Erwartungslosigkeit in ein Spiel zu gehen. Dadurch erreichen Sie, dass das Unterbewußtsein nicht schon im vorneherein eine Verurteilung der eigenen Leistungsstärke vornimmt.

Diese Technik der sogenannten Selbstzensur ist nicht etwas, was von Heute auf Morgen geschieht, sondern muß erlernt werden, damit sie später auf einer Golfrunde um so besser in das Spiel eingreifen kann, wenn Sie Ihre Leistungsstärke punktgenau abrufen müssen. Diese ständige, oft anerzogene Selbstkritik blockiert Sie in der Fähigkeit im Spiel zu lernen und zu wachsen.

Insbesondere der oft und völlig unzutreffende Vergleich zu den PGA Tourprofis, die täglich mehrere Stunden am Tag trainieren, von ihren Trainern begleitet werden und das circa 5 Tage die Woche, setzt den Freizeit- und Wochenendgolfspieler oftmals unter starken Druck.

Es ist nichts dagegen einzuwenden, sich einen Tourspieler zum Vorbild zu nehmen. Circa 89% der Golfspieler bewegen sich im HCP Bereich zwischen 54-26,4 und es ist völlig illusorisch sich mit einem professionellen Tourspieler vergleichen zu wollen.

Von Kindheit an sind wir darauf getrimmt worden, uns stets Ziele zu setzen und uns daran oder an anderen messen zu lassen. Diese innere Vorgabe oder auch Muster genannt, sollten Sie im Golfspiel durchbrechen, um wieder mit mehr Freude und Leichtigkeit aufspielen zu können. Es gibt zuviele Faktoren im Golfspiel, auf die Sie selbst keinen Einfluss haben. Ein völlig verunglückter Abschlag kann den Golfball einen halben Meter neben die Fahne legen sowie ein perfekter Abschlag einen Ball unglücklich aufkommen und in das Aus springen lassen kann.

Weltklassegolfer wie Tiger Woods, der vor kurzem sein Comeback feiern durfte, Martin Kaymer und alle anderen Profis, die Sie kennen und denen Sie wahrscheinlich auch fleissig nacheifern, beherrschen diesen Sport um Längen besser als das Gros der spielenden Golfbevölkerung. Diese Profis sagen von sich selbst, dass sie nur einen Bruchteil der Schläge auf dem Platz wirklich zu 100 % so treffen, wie sie sich das vorstellen.

Sollte nicht eigentlich diese Einstellung der Profis für Sie beim Golf das richtige Vorbild sein? Stoppen Sie die eigene negative Haltung und ewige Selbstkritik. Der eigentliche gedankliche Ansatz sollte sein, wenn es mal wieder nicht geklappt hat, sich mehr an den guten Schlägen zu erfreuen und aus den schlechten zu lernen.

Sie sollen es ja nicht sofort und heute lernen und der inneren Selbstkritik versagen, aber vielleicht fangen Sie einmal an, einen Schlag, einen Putt weniger stark zu kritisieren und loben sich stattdessen öfter für einen Schlag, der Ihnen besonders gut gelungen ist. Wenn Sie dieses kleine Gedankenmuster mit in Ihr nächstes Spiel übernehmen, haben Sie schon einen großen Schritt für Ihr zukünftiges Golfspiel getan!

2 comments

  1. Heike sagt:

    Und doch holt es mich auf dem Platz ein Erwartung, Enttäuschung und Freude, hin und her gerissen zwischen misslungen und geglückten Schlägen. Ich trainiere mental daran, Gefühle postiv oder negativ gar nicht erst sooo derart hoch zuladen und generell beständiger ruhiger ins Spiel zu gehen. Mehr Gelassenheit in beide Richtungen. Vielen Dank für neue Denkansätze.

    1. Martin sagt:

      Gerne! Das funktioniert auch nicht von Heute auf Morgen. Jeden Tag ein bißchen, dann kommt das von ganz allein!

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