Schlagwort: Mentalcoaching

Eine Frage der Konstanz

Eine Frage der Konstanz

Jetzt, wo die alte Golfsaison vorüber ist und die kommende Saison noch in der Ferne liegt, können Sie darüber resümieren, wie Ihre persönliche Golfbilanz war und was Sie von der nächsten Saison von sich erwarten.

Die meisten Golfspieler wünschen sich mehr Konstanz im Spiel aber wissen Sie auch, was das für Sie bedeutet? Welche Konstanz ist denn gemeint?

Möchten Sie Ihr Handicap spielen und weitestgehend erhalten oder mit ein bißchen Glück und Wochenendtraining verbessern als Freizeitgolfer? Oder sind Sie gar ein ambitionierter Turniergolfer, der nicht nur sein HCP halten, sondern auch verbessern und sich Pokale auf das Regal stellen möchte?

Ob Sie nun Freizeit- oder Turniergolfer sind, ohne eine strukturierte Planung, um seine Ziele zu erfüllen, wird da nur sehr wenig laufen. Es ist wichtig, dass Sie einen Zielwert für sich formulieren und sich sinnvoll mit dem Thema Zieleinlauf zum Ende der nächsten Saison beschäftigen. Natürlich können Sie auch nur vor sich hinspielen, schauen was passiert und ganz erwartungslos genießen, wenn es mal gut läuft, dann aber auch wieder schlecht aber in der Regel sind nur die wenigsten Spieler echte Genussgolfer. Der überwiegende Teil spielt jedoch leistungsorientiert, ob er das allerdings vor sich oder anderen zu gibt, ist natürlich eine ganz andere Frage. Aber hier wäre schon die erste Entscheidung zu treffen. Genuss oder Leistung, was soll/darf es denn sein?

Für eine gewisse Konstanz und Verbesserung sind der Wunsch dessen und der Wille untrennbar mit der klaren Absicht verbunden, sich auf ein gestecktes Ziel zu konzentrieren und die Energie einzusetzen, die notwendig ist, dieses Ziel auch zu erreichen.

Nach einer Statistik von Alex Heger, die er in seinem Buch  „Easy Better Handicap“ aufgeführt hat, wird erklärt, dass im Durchschnitt alle Golfer weltweit Ihr Handicap deutlich verfehlen und zwar regelmäßig um satte 3,5 – 5 Punkte Stableford.

Das heißt, um ein kleines Beispiel zu nennen und die meisten Freizeitgolfer halten sich in der Handicapklasse 4,5 und 6 auf, das im Durchschnitt 30-31 Punkte vorgabewirksam gespielt werden, statt der erhofften 36 Punkte. Wenn Sie sich also vor Augen führen und am Ende einer Golfsaison sich privat ausrechnen, wo Sie sich im Durchnitt bewegt haben im Spiel, werden Sie feststellen, dass Sie wahrscheinlich, insbesondere als Wochenend- und Freizeitgolfer in diesem Punktefenster zu Hause sind. Das ist zum einen Teil beruhigend aber löst auch irgendwie auf eine ganz persönliche Art bei einem Selbst eine gewisse Unzufriedenheit aus.

Wie Sie dieser Unzufriedenheit begegenen ist natürlich Ihre persönliche Sache aber wenn Sie keine eklatanten Ausreißer in Ihrem eigenen Spiel haben, dürfen Sie mit sich durchaus zufrieden sein, wenn es auch nur 30 oder 31 Punkte in der Runde geworden sind. In diesen Zahlen zeigt sich nämlich ganz gut, dass Ihre Abschläge, Transportschläge und das Putten in der Regel konstant sind und für sich betrachtet, ist das erst einmal positiv zu werten.

Eine Unterspielung des eigenen HCP kommt im Grunde genommen doch erst dann vor, wenn es an einem Tag, denn Ihr HCP ist ja immer nur eine Momentaufnahme des Golfkönnens im Augenblick, sehr gut läuft oder das effiziente Training, welcher Schwerpunkt auch immer zu diesem Zeitpunkt die Früchte trägt, die Sie geübt haben.

Spielen Sie nur circa 6-8 Turniere pro Saison, ist die Ausbeute an der HCP Verbesserung wesentlich geringer, als wenn Sie es in der Saison auf circa 15-36 Turniere bringen. Denn in der Regel, sprich im Durchschnitt, verlassen Sie den konstanten Pufferbereich beim Stableford nur alle 7 Turniere, Ausnahmen, insbesondere bei Anfängern ab HCP 54 einmal ausgenommen, da geht es für kurze Zeit schnell abwärts, bis dann ein technisches Spielniveau erreicht wird, von wo es mit regelmäßigen Training nur noch selten steil abfällt.

Darum denken Sie noch einmal sehr genau über Ihr Selbstbild als Golfer nach und gehen Sie nicht zu gnadenlos mit sich Selbst ins Gericht, wenn mal wieder ein Schlag nicht passt oder eine Runde aus dem Rahmen fällt. Wenn Sie am Ende des Jahres die Rechnung aufmachen und unter dem Strich keine signifikante Verschlechterung aufgetreten ist, das HCP gehalten oder sogar ein Stück verbessert wurde, sind Sie absolut im grünen Bereich. Gleichzeitig muß Ihnen aber auch von Beginn an klar sein, dass ohne planvolles und zielgerichtetes Training, sei es technisch oder auch mental, keine großen Sprünge zu erwarten sind.

Hast du Problem, hast du Herausforderung

Hast du Problem, hast du Herausforderung!

Es ist wieder einmal eine Frage der Perspektive, wie ein Golfer ein Golfproblem wahrnimmt. Wenn Sie als Golfer gar keine Probleme mehr haben, würde es dann nicht auch bedeuten, dass Sie gar keine Herausforderungen haben? Die einzigen Menschen, die keine Probleme haben so wird landläufig gesagt, sind die, die auf dem Friedhof liegen.

Wünschen Sie sich das?

Außerdem, wie viele Probleme haben Sie schon erfolgreich im Golf gemeistert und haben Sie dadurch stärker und zuversichtlicher gemacht. Ich wette, pro Golfrunde haben Sie mindestens ein Problem gehabt und entweder auf der gleichen Runde noch gelöst oder spätestens bei der zweiten Golfrunde.

Ein Mensch, ob Golfer oder Nichtgolfer, stößt selten auf ein Problem bzw. Herausforderung in der nicht auch schon, vielleicht zugegeben versteckt, eine Lösung inkludiert ist. Gelegentlich muß man einfacher genauer hinschauen oder etwas länger warten, bis es einem gelingt, diese Herausforderung zu meistern.

Etwas zu meistern gibt einem Kraft und Zuversicht, dass stärkt das Selbstvertrauen und kurze Wege, ein Problem zu umgehen, bringt überhaupt nichts. Im Golf stoßen Sie immer wieder auf die gleiche Herausforderung und erst wenn Sie sich bemühen, sich diesem Problem zu stellen und zu meistern, werden Sie im Spiel einen großen Schritt weiterkommen.

Natürlich werden Sie einwenden können, dieses Problem ist unmöglich zu lösen aber steckt nicht in dem Wort unmöglich nicht schon die Lösung? Achten Sie einmal auf den zweiten Wortteil. Dort steht „un-MÖGLICH“!

Ja, ich höre schon wieder den Pessimisten in Ihnen, der sagt, dass ist doch alles Schönrednerei, doch damit machen Sie es sich zu einfach. Sie sollten den Standpunkt der Wahrnehmung wechseln.

Der Wortteil „UN“ vor dem „Möglich“ bedeutet nichts anders als die Verkürzung von „ SO NICHT“, das heißt, es ist nicht unmöglich, sondern lediglich nur „so nicht möglich“. Die Frage die Sie sich also stellen sollten ist, wie ist diese Herausforderung oder das Problem zu lösen, wenn es „so nicht möglich“ ist?

Versuchen Sie es einmal und überlegen Sie sich, wenn es wieder einmal heißt, es wäre unmöglich und was Sie tun müßten, um es möglich zu machen. Das gilt für eine Spielsituation oder für das nackte Leben. Aber eines wird es nie sein…und zwar einfach.

Jeder Mensch ist Mittelpunkt eines Universums

Manchmal lohnt es sich einen Schritt zur Seite zu gehen, nicht nur im Leben, sondern auch auf dem Fairway, um die eigene Lage oder die des Balles in einem anderen Licht zu sehen.

Die Perspektive oder auch Sichtweise genannt, ändert sich auf Dinge im Leben und auf dem Platz, wenn genug Zeit vergangen ist und läßt einem über das Geschehene später einmal anders denken. Manchmal erscheint das, was gerade eben noch sinnvoll erschien, nur wenige Augenblicke anders und gar nicht mehr so logisch und sinnvoll. Die jeweilige Perspektive beansprucht jedoch für sich die eigene volle Wahrheit, auch wenn sie nicht die ganze sein muß, sondern möglicherweise nur ein Teilaspekt ist.

Was hier hier so philosophisch klingt, kann jedoch aus der Sichtweise des Betrachters eine wertvolle Orientierung sein. Ergibt sich doch aus der momentanen Situation im Spiel eine Wahl die im Augenblick des Moments eine Entscheidung fordert und später, nach der Ausführung der Entscheidung, dass Ergebnis präsentiert. Hätte man die gleiche Entscheidung getroffen, wenn man in der Ausgangslage mehr gewußt hätte? Wenn Sie wieder in die gleiche Situation kommen, können Sie Aufgrund der Erfahrung und Entscheidung, welche Sie in der damaligen Perspektive getroffen haben eine neue Sichtweise einnehmen, da das Ergebnis damals vielleicht Ihrem Wunsch nicht entsprach.

Ein paar Beispiele, wie Ihnen eine andere Sichtweise zu mehr Gelassenheit im Spiel verhilft.

Weil gelegentlich Dinge nicht unseren Vorstellungen entsprechen, so dass eine abweichende Realität nicht akzeptiert werden kann, auch dann nicht, wenn das Ergebnis offentsichtlich vor uns liegt, kommt es zu Ärger und Frustration in unserem Spiel.

Die Vorstellung eines guten Schlages läuft dem Ergebnis zuwider, wenn der Ball nicht dort aufkommt wo wir ihn erwartet haben. Als Golfer wäre man in diesem Fall gut beraten den Ärger nicht in Beziehung zu dem Schlag zu setzen, sondern unsere Vorstellung eines Schlages der Realität anpassen und zu akzeptieren. Mag der Schlag gut gewesen sein, so war es möglicherweise die Bodenbeschaffenheit nicht und somit verantwortlich für das unplanmäßige abprallen und ausrollen im Rough. Verlassen Sie die Perspektive, das eine Vorstellung und die daraus folgende Erwartung mit dem tatsächlichen Ergebnis am Ende zwingend übereinstimmen muß.

Wenn wir im Golf nur an einem Interesse haben und alles andere ausblenden, weil es uns nicht interessiert, kann es auf der Runde zu einem massiven Interessenkonflikt mit unserer Erwartung im Spiel kommen. Manche Golfer trainieren stets auf dem Kurzplatz auf perfekten kurzen Rasen und weichen, glasglatten Grün. Das geht genauso so lange gut, wie der Ball auf dem Fairway landet und nicht außerplanmäßig im Rough oder im Bunker liegen bleibt. Die Befreiung aus der schlechten Balllage wird im Training gerne von Golfern vernachlässigt, weil es nicht Ihren Interessen dient und führt zwangsläufig zu Unsicherheiten in der Spielweise, wenn sich alle Golfgötter gegen einen verschworen haben.

Die meisten Menschen wissen nicht, dass Sie nur eine Perspektive haben und finden es plötzlich bedrohlich wenn die Dinge anders aussehen. Darum ist es im Training und im Spiel von Vorteil, wenn Sie die Sichtweise einmal wechseln und sich das gespielte Loch nicht nur vom Abschlag aus ansehen, sondern auch rückblickend betrachten, wenn Sie eingelocht haben. Möglicherweise fällt Ihnen dann auf, warum es auch eine andere Möglichkeit gibt zum Erfolg zu kommen.

Darum merken Sie sich wohl:

Aus Hintertupfinger Perspektive wirkt Manhattan faszinierend;
aus der des Abwasserkanals unter dem Broadway weniger.

Golfinterview Below Par

Durch einen freundlichen Kontakt via eMail hatte mich Frederik Braun von Below Par angefragt, ob ich einem Interview zustimmen würde bezüglich dem Thema Mentalcoaching. Wer Below Par noch nicht kennt, dem mag ich vorerst deren Webseite empfehlen, denn auch Sie haben sich dem Ziel verschrieben, uns Golfern mit Rat und Tat beiseite zu stehen. Die Betreiber von Below Par sind beide Bundesligaspieler und wissen wovon Sie sprechen.

Hier nun das Interview:

Wir betonen immer wieder, wie wichtig die mentale Seite des Spiels ist. Vielen Amateuren ist das bewusst, doch wo fängt man an und wie misst man den eigenen Fortschritt? Ein Slice kann mit dem Trainer durch Übung korrigiert werden, doch wie sieht das bei Nervosität und Selbstzweifeln aus? Wir haben mit Martin Schütt, Golf Mental Coach und Betreiber der Seite mentaltraining-golf.de gesprochen und ihn genau danach gefragt.

BelowPar: Herr Schütt, Sie sind Sportmentalcoach mit dem Schwerpunkt Golf Mentaltraining. Wie sind Sie zum Golf gekommen und was fasziniert Sie am Golfsport?

Martin Schütt: Zum Golf bin ich durch meine Lebensgefährtin gekommen, die bereits mit ihrer Schwester Golf spielte und mich auf einen Schnupperkurs im Golf hinwies. Natürlich geschah das mit dem Hintergedanken, dass wir mehr gemeinsame Zeit in unserer knappen Freizeit verbringen würden 😉 Was mich am Golf so fasziniert, sind die vielen Facetten dieses Spiels. Ich könnte den Finger nicht auf einen Punkt legen, der mich besonders anspricht, außer die mentale Seite natürlich. Vielleicht ist es die Möglichkeit, sich spielend auseinanderzusetzen. Dieses Spiel hat Wettkampf- und Spaßcharakter zugleich und das in der freien Natur, in schönen Park ähnlichen Anlagen und gelegentlich (in Hamburg) bei bestem Wetter.

BelowPar: Golf ist eine der wenigen Sportarten, bei der wir Spieler deutlich mehr Zeit zum Denken, als zum Spielen haben. Was wir dabei denken, hat einen enormen Einfluss auf die Zahl, die am Ende auf der Karte steht und gerade deshalb ist Sportpsychologie vor allem bei Golfern und zunehmend auch bei Amateuren ein beliebtes Thema. Mit dem Golfen an sich anzufangen, ist relativ leicht. Man schnappt sich einen Schläger, legt los und nimmt eventuell eine Trainerstunde. Doch wie fängt man mit dem Mentaltraining an? Oberflächliche Ratschläge zum Thema, wie etwa „du musst nur positiv denken“, gibt es ja genug. 

Martin Schütt: Mir haben am Anfang tatsächlich Bücher geholfen, um mich anfänglich mit dem Thema Mentaltraining auseinanderzusetzen. Bob Rotella mit dem „15. Schläger“ (Link zum Buch) und Oliver Heuler’s „Jenseits des Scores“ (Link zum Buch) waren dabei meine ersten Werke. Diese beiden Bücher geben einen sehr guten Einstieg und erleichtern das Beschäftigen mit der mentalen Perspektive, die leider von Freizeit- und Wochenendgolfern oft sehr vernachlässigt wird.

Es gibt so viele Golfer, die ich frustriert und schimpfend von einer Golfrunde kommen sehe und die ich am liebsten sofort an die Hand nehmen würde, um zu zeigen, dass man die verbrachte Freizeit auf dem Golfplatz soviel angenehmer gestalten kann, als wutschnaubend den Platz zu verlassen. Es hilft, sich dem Thema des Mentaltrainings erst einmal lesend anzunähern und sich dann einen Golf Mental Coach zu suchen, mit dem man seine Ziele für die Saison erarbeitet. Nur mit positivem Denken ist es nicht getan, jedoch ist es guter erster Schritt.

BelowPar: Als Anfänger stellt man irgendwann fest, dass die Ergebnisse langsam aber sicher besser werden. Auch das Handicap purzelt. Wie stellt man jedoch fest, dass man mental besser wird? Denn dafür gibt es kein Handicap und auch keinen Score im klassischen Sinne. Sollte man sich dabei ausschließlich auf sein Bauchgefühl verlassen?

Martin Schütt: Sie stellen es dann fest, wenn Sie merken, dass Sie auf herausfordernde oder katastrophale Spielereignisse auf dem Platz viel gelassener reagieren, als zuvor. Ungünstige Balllagen sind bei verbesserter mentaler Stärke kein Schreckensszenario mehr und Wasserhindernisse, die überspielt werden müssen, lassen Ihre Knie nicht mehr weich werden. Der Druck im Inneren, die Nervosität lässt ganz einfach nach. Die ganze Körperspannung ist nicht verkrampft, wenn die Gedanken im Kopf keine Purzelbäume mehr schlagen, sondern ein langsamer ruhiger Fluss geworden sind.

BelowPar: Wir haben immer wieder festgestellt, dass die Frusttoleranz von Amateuren, die den Golfsport ernst nehmen und regelmäßig Turniergolf spielen, deutlich niedriger ist, als die von Profis. Ist das etwas, das Sie im Rahmen Ihrer Arbeit auch festgestellt haben? Was unterscheidet Ihrer Meinung nach einen guten von einem sehr guten Spieler – vor allem im mentalen Bereich?

Martin Schütt: Diese Feststellung kann ich eindeutig bejahen. Das Mentalcoaching oder mentale Training ist unter Amateuren auch weniger weit verbreitet, als bei den Profis und steckt noch in den Kinderschuhen. Viele Freizeit- und Wochenendgolfer scheuen sich davor, ein mentales Training zu buchen und vergleichen das fälschlicherweise mit dem „hinlegen auf die Psychocouch“, was nun wirklich gar nicht der Fall ist.

Wenn es Ihnen gelingt, Ihre Emotionen und Gedanken positiv zu kontrollieren und auf dem Platz Ihr ganzes Potential abzurufen, wenn es am dringendsten gebraucht wird, sind sie Ihren Konkurrenten ein ganzes Stück voraus. Das ist der Unterschied zwischen einem guten und einem sehr guten Spieler.

Erfolg beginnt im Kopf. Das haben Profis bereits früh erkannt und nutzen die Vorteile von mentalem Training für ihr Spiel. Hier ist von uns Sportmentalcoaches noch viel Aufklärungsarbeit für Amateure zu leisten, damit auch diese zu den Golferinnen und Golfern werden, der in ihrem Unterbewusstsein schlummert.

BelowPar: Jeder Golfer kennt sehr wahrscheinlich dieses eine Loch, diesen einen Abschlag oder diesen einen Annäherungsschlag, bei dem wir uns auf einmal unsicher fühlen. Manche sprechen vom „Angstloch“, andere einfach nur von plötzlichen Selbstzweifeln in Drucksituationen. Wie geht man damit am besten um?

Martin Schütt: Es gibt eine Vielzahl von Möglichkeiten, um sich seiner Angst zu stellen. Sie können einen Vertrauensschläger deklarieren, von dem Sie wissen, dass sie mit diesem Schläger, wann auch immer es in der Vergangenheit schwierig wurde, die besten Ergebnisse erzielten. Sie können sich leise oder auch in normaler Stimmlage mit motivierenden Sätzen pushen, um die negativen Gedanken zu stoppen oder sich auf eine Pre-Shot Routine verlassen.

Da jeder Golfspieler einen individuellen Charakter hat, lässt sich natürlich auch nur eine individuelle Lösung für den jeweiligen Spieler finden. Was bei dem einen klappt, muss noch lange nicht bei dem anderen funktionieren. Hier kommt es tatsächlich darauf an, für jeden Einzelnen eine Lösung zu erarbeiten.

Wichtig ist eine positive Handlung oder ein positiver Anker im Kopf, der die negativen Gedanken stoppt und somit die Angstspirale nach unten aufhält, beziehungsweise gar nicht erst hochkommen lässt.

BelowPar: In einem Ihrer Blogartikel auf Ihrer Website sprechen Sie das Thema Niederlagen an und zitieren folgenden Satz, den wir so direkt unterschreiben: „Scheitern ist der Mentor des Erfolges.“ Scheitern gehört zum Sport einfach dazu. In der Praxis ist uns dieses Prinzip oft bewusst. Wie schafft man es, dieses Denkmuster auch in der Praxis konsequent umzusetzen? 

Martin Schütt: Es ist wichtig sich einzugestehen, dass man scheitern kann und dies auch darf. Die Angst vor dem Scheitern ist in unserer Gesellschaft so negativ verankert, dass sich manch einer gar nicht mehr traut etwas zu beginnen, weil er befürchtet ausgelacht und verspottet zu werden. Der Gedanke an die negativen Folgen des Scheiterns lähmt uns in der eigenen Entwicklung. Fehler zeigen uns in der Entwicklung auf wo wir stehen, was wir durchdenken und verbessern sollten, denn nur so können wir erfolgreich neue Wege beschreiten. Scheitern ist eine Lernchance und als solche sollten wir sie auch begreifen, im Leben wie im Golf.

Natürlich ist es für den ein oder anderen schwer dies in die Praxis umzusetzen, doch was passiert, wenn Sie nicht wieder aufstehen? Sie bleiben am Boden liegen und entwickeln sich nicht weiter.

Ein Tipp für die Praxis nachdem Sie gescheitert sind: Analysieren Sie warum dies geschehen ist und überlegen Sie sich dann, was der kleinstmögliche Schritt Richtung Erfolg sein könnte.

BelowPar: Haben Sie eine Lieblingsmethode, um sich selbst oder Ihre Schüler mental auf ein Turnier vorzubereiten?

Martin Schütt: Eine Methode, die ich unter anderem persönlich praktiziere, ist das gedankliche Durchspielen des Platzes am Abend vor einem Turnier. Ich begebe mich dann an einen ruhigen Ort in meiner Wohnung und spiele den Platz in Gedanken bereits ein- oder zweimal durch. Das Visualisieren ist eine hervorragende Technik, um sich auf einen Wettkampf vorzubereiten. Die Kraft der inneren Bilder ist eine unschätzbare Hilfe auf dem Weg zum Erfolg.

BelowPar: Eine Frage, die uns brennend interessiert rankt sich um das Thema Meditation. Meditation macht uns erwiesenermaßen glücklicher, stressfreier und entspannter. Glauben Sie, dass Meditation und Atemübungen mittlerweile das sind, was Fitnesstraining vor 30 Jahren war? Soll heißen: In den nächsten 30 Jahren macht es jeder und wenn nicht, ist jedem trotzdem bewusst, dass es ihm gut tut?

Martin Schütt: Meditation und Atemübungen sind ein Teil des Mentaltrainings und können für den ein oder anderen ein guter Ansatz sein, um sich optimal vorzubereiten oder sich auf dem Platz wieder einzufangen, wenn die Runde nicht optimal verläuft. Das wird sicherlich nicht für jeden passen, doch für viele kann das ein guter Ansatz sein. Wer weiß schon, was in 30 Jahren sein wird und welche neuen Entwicklungen es bis dahin gibt. Bis dahin sollte das jeder selbst herausfinden und ausprobieren.

Herr Schütt, herzlichen Dank für das Interview. Wo können wir mehr über Sie erfahren? 

Sie können entweder meine Webseite besuchen oder mich persönlich kontaktieren, sei es via E-Mail oder meinem Facebook Account. Am ehesten treffen Sie mich aber auf den Golfplätzen in Norddeutschland an. Ich versuche in einem Jahr immer viele verschiedene Plätze zu spielen und bin daher meist dort zu finden, wo in Norddeutschland die Sonne scheint.

Scroll to top