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Golf einmal kontrafaktisch..

Jeder denkt einmal über seine Golfrunde nach, wo der entscheidene Putt nicht fiel und mit dem er das Golfturnier hätte gewinnen können oder warum der letzte Schlag im Bunker landen mußte.

Der Gedanke an die Situation „was wäre wenn“ begleitet wohl jeden Spieler öfter nach seiner Runde, als ihm lieb sein kann, denn, wäre der Schlag nicht im Aus gelandet oder der Putt zu kurz geblieben, hätte man sein Handicap unterspielen können etc etc.

Die Psychologen nennen dieses Verhalten zu einem alternativen Szenario:

„kontrafaktisches Denken“.

Diese Fähigkeit, sich gedanklich aus einer unbefriedigen Situation zu befreien, ist nur beim Menschen bekannt und gilt dazu sein Ego bzw. das „Ich“ in einem besseren Licht vorzustellen.

Mit dieser Fähigkeit kann der Mensch und dies ist besonders bei vielen Golfern zu beobachten, sein angeknackstes Selbstvertrauen nach einer Golfrunde reparieren, weil dieser sich vorstellt, das es hätte klappen können, wenn, ja wenn dies oder jenes nicht passiert wäre, was ihm an seinem Erfolg gehindert hätte.

Dieses kontrafaktische Denken begegnet uns oft auch im Alltagsleben und ist nicht nur bei Golfern beliebt. Denn, wenn wir unser Lebens als Ganzes betrachten, versuchen wir, sofern wir in ein besonderes Ereignis geraten, sei es nun gut oder schlecht, diesem einen Sinn zu geben, sobald wir eine Entscheidung getroffen haben. Ob diese Entscheidung nach einem Ereignis nun gut oder schlecht war, sieht ein Mensch immer erst rückblickend, ähnlich wie nach einem Abschlag beim Golf, wenn der Ball gelandet ist.

Die Vorstellung, was wäre passiert, wenn ich mich anders entschieden hätte, ist reizvoll aber sinnlos, denn wie im Spiel, können wir den Flug des Balles und auch seine Landung nicht beeinflussen. Doch durch dieses kontrafaktische Denken geben wir unserem Ego die Möglichkeit uns von der Vorstellung zu entlasten, das nicht „wir“ Schuld sind, sondern das Schicksal es in diesem Moment so vorgesehen hatte, das dies oder jenes hatte passieren müssen. Im Clubhaus kann ein Spieler dann jedoch „kontrafaktisch“ gut erklären, das wenn der Ball nicht zu weit geflogen wäre, beinahe das Turnier gewonnen hätte.

Wenn es dem Golfspieler nicht gelingt und hier sind meistens die Wochenend- und Freizeitgolfer im Spiel davon betroffen, seine Wunschrunde nicht verwirklichen zu können, wird die verbrachte Zeit als Verschwendung betrachtet. Nicht selten gehen dann diese Spieler gefrustet und zumeist schlecht gelaunt nach dem Spiel zum Auto oder verlassen das Turnier vor der Siegerehrung, um sich nicht der vermeintlich gefühlten Demütigung der Ergebnisverlautbarung stellen zu müssen, denn eigentlich spielt man ja viel besser, wenn….

Die Turnierprofis hingegen, die ihren Unterhalt mit dem Golfspielen verdienen müssen, haben sehr schnell gelernt, meist in den Anfangsjahren im Profizirkus, das kontrafaktische Denken abzustellen und eine schlechte Runde gedanklich abzuhaken bzw. sich nicht in dem „was wäre wenn“ Gedanken zu verlieren.

Natürlich bereut ein Spieler einen Schlag, der nicht so geflogen oder gelandet ist wie er sich das vorgestellt hat, doch entscheidend in dieser Situation ist etwas ganz anderes. Wenn wir ein nicht erreichtes Ziel oder eine verpasste Chance bereuen, können wir, statt kontrafaktisch zu verharren, darüber nachdenken, analysieren und lernen, was wir tun, wenn wir wieder in die gleiche Situation geraten. Wichtig ist hier die gedankliche Weiterentwicklung und nicht das verharren in Angst oder dem Schicksalsglauben, dass hier sowieso kein PAR zu gewinnen ist.

Auch die Einstellung zu realistischen Zielen ist ein Meilenstein in der persönlichen Entwicklung eines Golfspielers und man sich darüber klar wird, dass an diesem langen Loch ein Schlag mehr nötig ist, weil man eben noch nicht bereit ist, es in vier Schlägen zu spielen und realistisch fünf Schläge benötigt. Auch hier ist kontrafaktisches Denken eher hinderlich, wenn man sich Schläge vorstellt, wie es hätte sein können, nur vier Schläge statt fünf zu benötigen.

Unerreichbare Vorbilder im Golf oder Fantasieschläge begünstigen kontrafaktisches Denken und das spätere Selbstmitleid im Clubhaus bei den Golfkameraden. Gehen Sie als Golfer nicht in die Falle der Selbsttäuschung und nehmen Sie sich lieber selbst zum Maßstab, wo Sie sich auf dieser Runde verbessern konnten.

Durchbrechen Sie das Muster des Selbstmitleides / kontrafaktisches Denken und konzentrieren Sie sich auf die gelungene Schläge auf die Sie stolz sein können, dann klappt es beim nächsten Mal auch mit dem Score und dem kleineren Handicap.

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