Monat: Juni 2017

Konzentration nach dem W.I.N Prinzip

Ein ungarisches Sprichwort sagt:

„Wer zwei Hasen jagt, fängt keinen.“

Vielleicht fragen Sie sich, was haben Hasen mit Golf zu tun? Aber ich schreibe hier nicht über die Jagd nach Meister Lampe, sondern über Ihre Gedanken, die wie Hasen in Ihrem Kopf hin und her hoppeln.

Das Stichwort ist: „Konzentration!“

Während Sie anfangen diesen Text zu lesen, überlegen Sie bereits, worauf der Autor hinaus will und schauen kurz aus dem Fenster und stellen fest, dass es ganz schön dreckig ist. Dabei hatten Sie schon vor zwei Tagen darüber nachgedacht, dass, sobald das Wetter schön genug ist, damit anfangen es zu putzen. Doch dann überlegen Sie, ob es nicht klüger wäre, wenn wieder die Sonne scheint, lieber die Golfschläger zu putzen und das Golfbag aufzuräumen. Ach ja, apropos Golf, Sie wollten ja den Text über Hasen, nein Blödsinn, über Konzentration lesen!

Haben Sie gemerkt worauf ich hinaus will? Ihre Konzentration ist mitunter so schnelllebig wie ein tiefer Atemzug.

Dass Gedanken sich verändern und von der Gegenwart in die Zukunft springen oder auch in der Vergangenheit weilen, obwohl man gerade eben noch an etwas anderes gedacht hat, ist völlig normal. Seien Sie also beruhigt, Sie sind kein hoffnungsloser Einzelfall, sondern Mitglied in einem guten besuchten Club.

 Gedanken Wandern…

Dieses „Gedanken wandern“ nimmt fast die Hälfte Ihrer Zeit in Anspruch, während Sie sich in der Wachphase befinden. Unglaublich denken Sie! Tatsächlich ist es nicht so ungewöhnlich wie Sie glauben, das haben Studien aus der Neurologie bereits bewiesen. Ein Wunder, dass Sie überhaupt einen klaren Gedanken fassen können. Aber überprüfen Sie sich ruhig einmal selbst, wenn Sie wieder für einen kurzen Augenblick nicht bei mir – im Text – sind. Läuft nebenbei der Fernseher? Spielen die Kinder nebenan oder kurz mal SMS gescheckt? Das Radio läuft bestimmt oder? Ach kommen Sie, irgendwas lenkt Sie gerade ab, bestimmt!

Diese geistige Autonomie kann sich dann negativ auf uns auswirken, wenn wir uns konzentrieren sollten, aber nicht in der Gegenwart sind. Wie schnell ist ein Abschlag missglückt, nur weil uns etwas abgelenkt hat. Diese eine Ablenkung zieht schnell einen unpassenden Gedanken nach sich, stört aber unser Unterbewusstsein bei der routinierten Abschwungphase und schon ist es passiert. Unabhängig, ob die Ablenkung von Innen oder von Außen kam.

Das schlimme an dieser Hetzerei der Gedanken ist, dass es dem Gehirn sehr viel Energie entzieht und somit Ihre Kraft kostet, die Sie für andere Dinge benötigen. Gerade Dinge die unerledigt sind und die wir noch tun wollen oder zu Ende bringen möchten, kosten uns wesentlich mehr Lebensenergie, als die, die wir schon erledigt haben und nur daran zurückdenken. Wenn Sie also schon die nächsten Löcher planen und wie viele Punkte Ihnen noch fehlen, sind Sie Ihre eigene fünfte Kolonne und sabotieren sich erfolgreich selbst.

Wer also öfter mit seinen Gedanken abschweift, braucht länger, um zu seinen Ursprung der Sache zurück zukehren. Das kostet Kraft und der Wille zur Konzentration schwächt sich mit jedem weiteren Mal, wenn Sie sich von etwas ablenken lassen.

Das kennen Sie sicherlich von der Arbeit, wenn das Telefon zum tausendsten Mal klingelt, obwohl Sie doch das eMail, Memo lesen müssen. Es kostet Kraft und Geduld zu dem Text zurück zukehren und genauso ist es auch im Golf.

Der Feind im Inneren!

Für Sie als Golfer heisst das nichts anderes, wenn Sie sich allzu oft ablenken lassen, werden Sie Schwierigkeiten haben, Ihre Wunschrunde zu spielen. Mögen Sie an den ersten Löchern noch nervös und langsam in das Spiel gekommen sein, werden die letzten Löcher oftmals mit Konzentrationsdefiziten belastet und nicht mehr so gelassen gespielt wie die vorherigen. Die letzten Löcher haben nicht nur Muskelkraft gekostet durch das viele spazieren gehen und Schwung holen, sondern auch viel Geisteskraft und diese nimmt, wie auch die körperliche Kraft, zum Ende hin stetig ab.

Auch im Training sind Sie immer wieder diesen Konzentrations-Verlustattacken ausgeliefert. Da klingelt ein Mobiltelefon vom Golfnachbarn, zwei Mitspieler tratschen nebenan über den neuen Driver aus Weltraumstahl oder das schlichte Kommen und Gehen von Personen, die Sie in der Peripherie des Sehens wahrnehmen. Doch nicht nur die allgemeinen Ablenkungen sind ein Attentat auf Ihre Konzentration, sondern auch der eigene Geist.

Der eigene Geist?

Ihr Körper bzw. Ihr Gehirn sabotiert Sie mit voller Absicht selbst. Der Feind im Inneren.

Forscher nennen diese aus dem Gehirn angestrebte Sabotage auch „die Gier nach Daseinsneuigkeiten“.

Klingt nur lustig, ist es aber nicht.

Das eigene Gehirn möchte Neuigkeiten erfahren und strebt selbst nach Abwechslung, um die Monotonie der Langeweile, die eine routinierte Tätigkeit mit sich bringt zu durchbrechen. Die Forschung weiß zu berichten, dass Ablenkungen nicht nur von Außen kommen, sondern auch von Innen und zwar zeitlich getaktet wie eine Schweizer Uhr.

Nach circa 11 Minuten schreibt die neurologische Forschung, unterbrechen wir uns selbst, da unser Gehirn selbstständig nach Neuigkeiten in seiner Umgebung sucht. Belohnt wird das Gehirn durch eine kräftige Dopamin-Ausschüttung, sobald wir durch eine Abwechslung unsere eigene geistige Autonomie untergraben haben. Dopamin macht uns übrigens sehr glücklich.

 Das mentale Schutzprogramm

Das einzige was dagegen hilft ist ein mentales Schutzprogramm für sich selbst und gegen die Außenwelt. Die Golfprofis, die auf die Tour gehen, haben das bereits begriffen und im Turnier diese mentalen Schutzschilde hochgefahren. Wie sonst könnten diese Spieler bei tausenden von Zuschauern so abschlagen, als wären Sie ganz allein auf dem Platz.

Doch Aufmerksamkeit und Konzentration kann man lernen und ebenso aufbauen wie einen Körpermuskel. Hilfe ist also nicht weit entfernt, Sie sollten es nur trainieren.

Das entsprechende Training wird gefördert durch Meditation oder durch so genannte Gedanken-Stopp-Übungen, die Sie wissentlich durchführen, um Störungen sofort zu unterbinden. Da eine Meditation auf dem Golfplatz im Spiel nur schwierig umzusetzen ist, empfiehlt sich hier eher eine Gedanken-Stopp-Übung, die Sie in das Hier und Jetzt zurück bringt. Damit kommen wir auch schon zu dem simplen und sicherlich Ihnen nicht unbekannten W.I.N Prinzip.

W.I.N heißt nichts anderes als „Whats  Important Now“, in deutscher Sprache übersetzt:

„Was ist jetzt wichtig!?

Diese drei englischen Buchstaben passen auf jeden Golfhandschuh, an das Bag als kleiner Button oder auf den Golfball geschrieben  und sind eine großartige Hilfe für die Konzentration.

Die Konzentration auf das aktuelle Thema “ What‘ s Important Now“ stählt Ihre Gedanken, sich mit einem Problem im Hier und Jetzt zu beschäftigen, welches gelöst werden muss. Diese Fragestellung löst die einzige Reaktion im Gehirn aus, die wichtig ist und alles andere wird nebensächlich. Intuitiv befasst sich Ihr Bewußtsein mit der Problemstellung und versucht es zu lösen. Verschwunden sind die Gedanken an Stableford-Punkte, wie viel Löcher noch zu spielen sind oder wie der letzte Abschlag war.

Das Gehirn stellt die Scheuklappen auf und Selbstzweifel werden in den Hintergrund gedrängt. Es kommt zum Tunnelblick. Die Gedanken werden zielgerichtet auf einen einzigen Punkt!

Da wir uns dann damit beschäftigen, was jetzt in diesem Moment wichtig ist, bereitet sich der Körper und das Gehirn geistig darauf vor, die Lösung mit bestmöglicher Effizienz umzusetzen. Sie kontrollieren die Balllage, suchen sich den richtigen Schläger aus, fokussieren sich auf ein Ziel und schwingen den Golfschläger sauber durch. Keine Zeit darüber zu sinnieren was alles schief gehen könnte. Der „Drunken Monkey“ wird schlagartig nüchtern.

Probieren Sie es einmal aus, wenn Sie wieder auf der Golfrunde sind und sagen Sie zu sich selbst, während Sie auf den Ball zu gehen, gerne auch mit eigener Stimme:

Whats Important Now?

Sie werden merken, wie schnell Ihr Gehirn in das Hier und Jetzt zurückkehrt und sich mit der gegenwärtigen Situation beschäftigt.

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