Monat: Dezember 2016

Die falsche Erwartungshaltung

Aufbauend zu dem Artikel „die Kunst der Nichtverurteilung“ möchte ich mich im zweiten Artikel „der zu hohen Erwartungshaltung“ im Golfspiel widmen.

Im Golfspiel ist die Erwartungshaltung ein bestimmender Faktor darüber, ob Sie gutes oder schlechtes Golf spielen im Vergleich zu anderen Spielern und/oder den eigenen Fähig- und Fertigkeiten. Hier schütteln sich die Gedanken und Emotionen, die in einem Spieler wohnen mit der Kunst der Nichtverurteilung einander die Hände, da aus der Erwartungshaltung und der daraus folgenden Selbstkritik ernsthafte Konsequenzen im Spiel entstehen.

Der gewöhnliche Freizeit- und Wochenendspieler erwartet ein gutes Runden- oder Schlagergebnis und ist darüber enttäuscht, wenn es nicht eintrifft. Aus der einfachen Enttäuschung kann, wenn die Erwartung öfter nicht erfüllt wird, eine tiefsitzende Frustration, echte Wut oder andauernde Niedergeschlagenheit entstehen, die in Versagensängsten gipfeln.

Diese Ängste vor dem Versagen und der Unsicherheit im Golfspiel liegen zumeist einzig und allein darin begründet, dass die eigene Einschätzung in die spielerischen Fähigkeiten im Golf viel zu hoch angesiedelt und nicht erfüllbar sind.

Ich möchte hier ein kleines Beispiel anführen:

Viele Golfspieler trainieren in der Regel 1x die Woche circa 45 min. lang das Golfspiel in ihrem Heimatclub. Anschließend erfolgt eine Golfrunde am Wochenende. Das ist das typische Szenario.

Das Training sieht dann meist wie folgt aus.

Der Spieler kommt nach dem Feierabend zum Club, spielt ein paar Putts, circa 10min, dann werden weitere 10min für das Chippen erübrigt und danach geht es zur Driving Range. Dort holt sich der Spieler zwei Körbe mit Bällen und schlägt diese in die Ferne. Auf der Driving Range wird ein Ball hinter dem anderen geschlagen und weder auf die Flugkurve, noch auf die Weite geachtet oder gar die eigene Körperbewegung wahrgenommen. Am Ende werden die Schläger in das Bag gestellt und ein kurzer Plausch im Clubhaus geführt. Punkt!

Wenn dann am Wochenende die Golfrunde mit den Freunden ansteht und die Putts daneben gehen und auch die schönen Golfschläge ausbleiben, fragt sich der typische Wald- und Wiesenhacker, wie das sein kann, hat er doch gerade eine Stunde „hart“ trainiert. Die erwarteten Traumschläge sind ausgeblieben und dementsprechend ist der Golfspieler seiner Meinung nach zu Recht frustriert.

Bei Golf handelt es sich nach Meinung der Sportexperten um die zweitschwerste Sportart der Welt und kommt nach der Schwungkomplexität und dem zeitlichen Ablauf der Körperkoordination gleich nach Stabhochsprung.

Professionelle Golfspieler, die ihren Lebensunterhalt damit verdienen Turniere zu gewinnen, arbeiten an ihrem Golfspiel circa 5-6 Tage die Woche mit circa 8 Trainingsstunden am Tag in Begleitung und Aufsicht ihrer Trainer. Trotzdem „erwarten“ die Amateurspieler, die sich am Wochenende einem Freizeitvergnügen hingeben und 1x die Woche trainieren, dass ihre Fähig- und Fertigkeiten sich denen der Tourspieler annähern und ebenfalls Traumschläge fabrizieren. Das gilt in der Länge, Konstanz und Präzision.

Diese an sich selbst gestellte Erwartung kann nur dazu führen, dass Sie nach jeder Golfrunde niedergeschlagen und frustriert den Golfplatz verlassen. Hier muss ein radikales Umdenken erfolgen und dieses lernt man nur in einem angemessenen Mental- oder Techniktraining.

Was Sie als Golfspieler bereit sind an Trainingszeit in das Golfspiel zu investieren, das bekommen Sie am Wochenende auf dem Golfplatz auch heraus. Dabei sollte man noch den Unterschied machen, ob man einfach nur ein paar Bälle geschlagen oder wirklich effizient trainiert hat. Denn auch das Trainieren will gelernt sein.

Ich möchte in diesem Artikel zum Ausdruck bringen, dass es ganz entscheidend ist, auf welche Art und wie oft Sie trainieren, damit sich Ihre spielerischen Fertigkeiten verbessern und dem Rechnung tragen, was auf der Golfrunde passiert. Sie können nicht erwarten, dass Sie konstante und präzise gerade Flugbahnen schlagen und der Ball butterweich landet, wenn Sie dies nicht in ausreichender Art und Weise auch trainiert haben. Bei einer Stunde Training in der Woche können Sie zwar mit ein paar guten Schlägen rechnen, aber ein Großteil der Putts wird das Loch verfehlen, im Aus, Wasser oder im Bunker landen. Für mehr reicht ein Training 1x pro Woche nicht!

Wenn Sie nur eine Stunde pro Woche haben, dann investieren Sie in eine Trainingszeit mit einem Trainer, so daß Sie sich später selbstanleitend effizient trainieren können. Natürlich kostet so ein Training Geld, aber es die beste Investition in sich selbst, wenn Ihnen gezeigt wird, wie Sie sich selbst fortbilden können, damit eben die gewünschten Effekte auf der Golfrunde auch zustande kommen.

Fast alles, was Sie bis jetzt im Leben gelernt haben, machen Sie nun in traumwandlerischer Sicherheit, weil Sie es seit einer kleinen Ewigkeit tun und es zur Routine geworden ist. Das beste Beispiel ist wohl das Autofahren. Hier machen Sie ein halbes Dutzend Dinge gleichzeitig und schaffen es nach unzähligen Kilometern jeden Abend heil nach Hause zu kommen. Warum? Weil Sie es jeden Tag über einen längeren Zeitraum tun. Sie beherrschen es und Ihre Erwartung ohne Blechschaden nach Hause zu kommen erfüllt sich jeden Tag. Wenn Sie als Fahranfänger unterwegs sind, dann hat das Auto schnell einen Kratzer hier und da. Ich denke, alle Eltern, die ihr Fahrzeug an ihre Kinder verleihen, wissen welche Bedenken da mitschwingen. Sie haben Angst um ihre Kinder, weil diese noch nicht solange das Autofahren trainiert haben.

So ist es im Golfspiel auch und daher ist die Erwartungshaltung zu hoch angesetzt, wenn Sie nicht mehr Zeit und Mühe in sich selbst investieren und sich zeigen lassen, wie man sich dem Spiel aus einer anderen Perspektive nähern kann.

Investieren Sie mehr Zeit in sich und trainieren Sie es fleißig, dann wird auch Ihre Erwartung eines Tages Ihrer spielerischen Fertigkeit entsprechen.

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